Besuch in Romoos

 

«Das ist ein grosses Ereignis für uns»

 

Rund 50 private Gönnerinnen und Gönner, Vertreter von Gemeinden, Firmen, Stiftungen und Vereinen genossen einen sonnigen Tag in Romoos am Napf. Die Gastgeber zeigten auf eindrückliche Weise, wie sie ihre grossen Herausforderungen angehen und wie verantwortungsvoll sie mit den Spendengeldern umgehen.

 

Grosser Bahnhof bei der Ankunft der Gönnerinnen und Gönner in Entlebuch – Willi Pfulg, der Gemeindepräsident von Romoos und sein Organisationsteam, hatten viel Prominenz mitgebracht. Alt Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger, Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann, der Präsident der UNESCO Biosphäre Entlebuch Fritz Lötscher, zahlreiche Vertreter der Romooser Behörden und der Nachbargemeinden und sogar die Regionalpresse empfingen den Besuch. «Das ist ein grosses Ereignis für uns», meinte die Journalistin des »Entlebucher Anzeigers». Dr. Hans-Rudolf Merz, Präsident der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden, bedankte sich für die Gastfreundschaft und wies darauf hin, dass in dieser ländlichen Region Familie, Arbeit und Politik ineinandergreifen und einen wichtigen Grundstein legen für die Bewältigung der Aufgaben. Er erinnerte an die Geschichte, insbesondere den Sonderbundskrieg im Jahre 1847, der seine Spuren auch im Entlebuch hinterliess. In der Folge des Krieges wurde durch die Bundesverfassung die Schweiz zum Bundesstaat, die Grundlage für den Föderalismus war gelegt. Die Gemeinden tragen seither eine grosse Eigenverantwortung, welche die Patenschaft seit über 75 Jahren unterstützen kann.

 

 

Geben und Nehmen im Gleichgewicht

Vroni Thalmann äusserte sich über die Verpflichtungen, die aus dem Föderalismus entstehen und bedankte sich bei der Patenschaft für die Solidarität. «Geben und Nehmen muss im Gleichgewicht sein», betonte sie und bekräftigte, dass die Gemeinden darauf achten, nachhaltige Projekte einzureichen. So kommen die Spendengelder allen BewohnerInnen zugute. Von der Erhaltung des Siedlungsraums im Berggebiet profitiert auch die Bevölkerung in den Agglomerationen, die dabei entstehenden Beziehungen und Netzwerke sind ein Gewinn für alle.

 

 

Landschaftsgerecht handeln und weiterentwickeln

Fritz Lötscher führte mit seinen Ausführungen durch die Unesco Biosphäre Entlebuch. Sie umfasst 7 Gemeinden und 17'000 Einwohner auf 400 Quadratkilometern. Rund 850 Betriebe tragen zur Wertschöpfung bei, 400 Vereine zum kulturellen Leben. Hier gelingt es, lokale Produkte und Werte zu vermarkten – über 500 Produkte mit dem Label «Ächt Äntlibuech» gehen in den überregionalen Detailhandel, Grossveranstaltungen wie der Alpabzug oder der Kräutermarkt ziehen jährlich über 15'000 Besucher an, die 700 landwirtschaftlichen Betriebe sind untereinander gut vernetzt. Er bedankte sich für die Unterstützung, die der Region ermöglicht, weiterhin landschaftsgerecht zu handeln und sich weiterzuentwickeln.

 

Geschichten und Sagen

Ruedi Lustenberger öffnete in der reich geschmückten Wallfahrtskirche ein Fenster zur Lokalgeschichte. Im Zeichen der mystischen Frömmigkeit des Frühmittelalters gründeten Zisterziensermönche um 1344 die erste Kapelle an dieser Stelle, die seither als Kraftort gilt. Der Bau der heutigen Kirche erfolgte 1753. Sie beherbergt einen Holzsplitter vom Kreuz Jesu Christi. Gemäss der Sage trug ein Kreuzritter auf dem Heimweg von Jerusalem die Reliquie auf sich und sie schützte ihn vor dem Angriff eines Drachens. Die Bevölkerung forderte einen Beweis für diese Wirksamkeit. Der Kreuzritter band das Holzstück auf das Horn eines ungetümen Ochsen, der brav bis nach Heiligkreuz wanderte. «Edle Historie vermischt mit Fantasie, das kennen wir auch sonst in der Eidgenossenschaft», resümierte Ruedi Lustenberger. Dann kündigte er das Orgelspiel von Markus Zemp an. Das «Orgelgewitter» mit Jodelmelodien, Echo, Lockrufen, Vorahnung und einem furiosen, in Noten gesetzten Unwetter versetzte das Publikum in andächtiges Staunen.

 

 

Ein ehrliches «Vergält’s Gott»

Nach dem Transfer ins Hotel Kreuz in Romoos zeigte eine animierte Präsentation die Besonderheiten der Gemeinde, inklusive der Projekte, die auch dank Spendengeldern realisiert werden konnten. Willi Pfulg, Gemeindepräsident, und Marlis Roos, Kantonsrätin und Gemeindeschreiberin von Romoos, stellten ihre Gemeinde mit den typischen Streusiedlungen vor. Die zahlreichen Gräben und Chrächen geben dem Gebiet den Übernamen «Centovalli des Kantons Luzern». Entsprechend aufwendig ist zum Beispiel der Strassenunterhalt oder die Wasserversorgung, damit die 71 Bauernbetriebe und 7 Alpen bewirtschaftet bleiben. Regierungsratspräsident Guido Graf, legte dar, wie wichtig die Solidarität ist. Gerade in Zeiten der Sparmassnahmen auf Kantonsebene ist die Unterstützung der Gemeinden umso wichtiger. So bleiben die Berggemeinden bewohnt und ihre Wirtschaft kann sich entwickeln. «Die Investition vor Ort lohnt sich», betonte er – «ein ehrliches Vergält’s Gott».

 

 

Bühne frei für den Kinderchor

Jetzt war es Zeit für eine kulturelle Einlage. Der Schülerchor – das heisst: die ganze Primarschule – betrat die Bühne. Am Vormittag noch hatten die Kinder die Veloprüfung absolviert, jetzt sangen sie aus voller Kehle und zogen das Publikum in Bann. Die 56 Buben und Mädchen – eines musste leider wegen Halsweh aussetzen – boten mit dem Schwingertanz auch eine theatralisch-tänzerische Einlage. Ein Teil des Chors wird am 22. September 2018, begleitet von der Let's GO BIG BAND Einsiedeln und dem zurich GOSPEL CHOIR, exklusiv für die Patenschaft am Benefizkonzert im Schinzenhof Horgen auftreten – man darf gespannt sein.

 

 

Freundeidgenössische Zusammenarbeit

Jetzt liessen es sich die Romooser nicht nehmen, ihre Gäste nach Holzwäge zu führen. Auf 1080 m ü. M. geniesst man einen grandiosen Rundblick in die Alpen und über das Mittelland. Beim Geruch von frisch geschnittenem Heu und mit Alphorn- und Handorgelbegleitung konnte man noch einmal über die freundeidgenössische Zusammenarbeit, wie sie der Gemeindepräsident nannte, sinnieren. Mit einem herzlichen Dank verabschiedete Willi Pfulg die Reisegesellschaft auch im Namen der weiteren Behördenvertreter: «Man spürt, dass Euer Herz für die Bergbevölkerung schlägt.»