Hochwasserschutz Clozza, Folgeprojekt Unwetter Juli 2015

Das Projekt

Auf dem Schwimmkegel der Clozza ereigneten sich bereits mehrfach Murgänge, die zum Teil grossen Schaden anrichteten. Im September 1727 sollen wegen einer grossen Rüfe grosse Schäden im Siedlungsgebiet verursacht worden sein. Eine weitere Rüfe hat im Juli 1783 zahlreiche Mühlen weggerissen, und Ende Juni 1962 verursachte ein Hochwasser Schäden am Gebäude einer Schreinerei. An Pfingsten 1983 gab es ein weiteres Hochwasserereignis ohne Schäden und im Jahre 2005 ein weiteres mit Geschiebetransport.

 

Die Clozza ist ein Gebirgsfluss mit einer Einzugsgebietsfläche von rund 13.1 km2. Der Fluss entspringt an der Bergkette zwischen dem Piz Mischun (3'068 m.ü.M.), dem Piz Nair (2'966 m.ü.M.) sowie dem Piz Soèr (2'912 m.ü.M.) und fliesst in seinem Unterlauf mitten durch das Dorfkerngebiet von Scuol. Bei Kote 1'161 m.ü.M. mündet er in den Inn.

 

Am 23. Juli 2015 führten Starkniederschläge (Gewitter) in der Clozza zu einem Hochwasser. Die oberste Brücke (Punt Davo Clozza) im Dorfgebiet erwies sich als Engstelle. Eine Blockrampe, diverse Schwellen, Werkleitungsquerungen sowie an das Flussgerinne angrenzende Hausgärten wurden beschädigt und zerstört. Schliesslich brach der Fluss an der untersten Brücke (Punt Clozza Porta) aus dem Flussgerinne aus und überschwemmte zwei Wohngebäude und ausgedehnte Landwirtschaftsflächen. Die Untersuchungen im Nachgang zu diesem Ereignis deckten im Unterlauf ein erhöhtes Hochwasserrisiko auf. Zudem wurde bei den Bauwerkskontrollen festgestellt, dass ein Teil der bestehenden Verbauungen beschädigt worden ist. Die Gemeinde Scuol hat sich deshalb entschieden, ein neues Verbauungsprojekt auszuarbeiten.

 

Grosse Teile des Siedlungsgebietes von Scuol sind im ISOS - Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung aufgenommen. Das Ortsbild von Scuol wird grundsätzlich als verstädtertes Dorf qualifiziert und erfüllt Kriterien bezüglich der Lage und der räumlichen sowie architekturhistorischen Qualität.

 

Geplante Massnahmen

Das Auflageprojekt wurde von einem Ingenieurbüro zusammen mit der Gemeinde und dem kantonalen Tiefbauamt Graubünden in einem iterativen Prozess ausgearbeitet. Zusammen mit zu-ständigen Experten konnten die Massnahmen aus wasserbaulicher Sicht kritisch gewürdigt und optimiert sowie teilweise kostenrelevant redimensioniert werden. Mit dem mehrheitlich vollständigen Gerinneausbau wird im Rahmen des Auflageprojektes ein vollständiger Hochwasserschutz gemäss den Schutzzielvorgaben erreicht. Dieser Ausbau umfasst im Wesentlichen folgende Arbeiten:

 

  • Gerinne-Absenkung oberhalb der Punt Clozza Vi um 1.5 bis 2 m auf einer Länge von ca. 45 m inklusive Unterfangung der angrenzenden Ufermauern
  • Blocksteinrampe bei der im Rahmen der Sofortmassnahmen nicht fachgerecht ausgeführten Werkleitungsquerung, Schwelle bei 618 m
  • Unterfangung der Brückenpfeiler Punt Senda da Scuola
  • Umfangreiche Ufersicherungen im Abschnitt der Gerinneabsenkung (Höhe Schule / Gärten)
  • selbsttätig schliessbares Tor bei der Punt Clozza Porta
  • Erhöhung und Verlängerung Ufermauern im Gerinneabschnitt Quartier Quadra und Porta Clozza

Das Wasserbauprojekt setzt sich aus verschiedenen aktiven Schutzmassnahmen zusammen und beinhaltet Schutzkonzept-Massnahmen mit den Wirkungsweisen Rückhalten, Durchleiten, Verhinderung und Ablenken. Es sind folgende Schutzbauten vorgesehen:

 

  • Dosiersperre mit Geschiebesammler im Val Clozza
  • Mauererhöhung und Blocksteinrampe bei Punt Davo Clozza
  • Mauererhöhung und Gerinne-Absenkung mit Blocksteinrampe bei Punt Clozza Vi
  • Objektschutzmassnahmen, Unterfangungen, Mauererhöhung
  • Sanierung Sperre 0.688 km mit Mauererhöhung
  • Blocksteinrampe 0.618 km mit Ufererhöhung
  • Gerinne-Begradigung 0.553 - 0.397 km
  • Lenk-Massnahmen bei der Punt Clozza Porta

Dosiersperre mit Geschiebesammler im Val Clozza

Die Dosiersperre wird im Eingangsbereich zur Val Clozza bei 1.075 km erstellt. Das eingetiefte Val Clozza bildet dadurch hinter der Dosiersperre einen natürlichen Geschieberückhalteraum. Die Dosiersperre wird als räumliches Tagwerk mit Hauptscheibe und vorgesetztem Sperrenkasten ausgebildet.

 

Mauererhöhung und Blocksteinrampe bei Punt Davo Clozza

Die bestehende betonierte Leitmauer am linken Ufer, im Oberwasser der Brücke Punt Davo Clozza, wird soweit aufbetoniert, dass ein linksseitiges Ausbrechen von Murgängen nicht mehr möglich sein wird. Zur Kapazitätserhöhung des Gerinnes werden Murgangablagerungen im Oberwasserbereich der Brücke Punt Davo Clozza abgetragen. Zusätzlich wird die bestehende Feuersperre im Unterwasserbereich rückgebaut. Zur Sicherung der Uferböschungen und zum Schutz der Werkleitungsquerung wird die zerstörte Blockrampe mit einem Gefälle von 23.5 % aus Blocksteinen in Beton neu erstellt.

 

Mauererhöhung und Gerinne-Absenkung mit Blocksteinrampe bei Punt Clozza VI

Die bestehende Wildbachsperre im Oberwasser der Brücke Punt Clozza VI wird abgebrochen. Anschliessend werden im Pilgerschrittverfahren die bestehenden Ufermauern beidseitig soweit unterfangen, bis das Gerinne auf die neu projektierte Bachsohle abgesenkt ist. Über eine Länge von 46 m wird die Bachsohle mit einer geschlossenen klassischen Blocksteinrampe in Beton gesichert.

 

Objektschutzmassnahmen, Unterfangungen, Mauererhöhung

Das Hotel Traube weist teilweise gerinneseitig tiefliegende Gebäudeöffnungen auf, die im Bereich eines Murgangabflusses zu liegen kommen. Die zu tief liegenden Fensteröffnungen werden mit Panzerglas gegen Druck durch schräge Anströmung des Murgangs sowie gegen Reibungskräfte des Murgangabflusses gesichert. Die Fundation des Hotels Traube wird über eine Länge von circa 20 m partiell unterfangen. Die Unterfangung erfolgt im Pilgerschrittverfahren.

 

Sanierung Sperre 0.688 km mit Mauererhöhung

Zur Abfluss-Kapazitätserhöhung wird das linke Ufer leicht erhöht. Der bestehende Blockwurf im Oberwasserbereich der Sperre sowie der grosse einzelne Blockstein im Unterwasserbereich der Sperre werden abgetragen.

 

Blocksteinrampe 0.618 km mit Ufererhöhung

Bei 0.630 km befindet sich eine bestehende Werkleitungsunterquerung der Energia Egadina, die mit einer Sohlenpflästerung gegen Hochwasserabflüsse gesichert wurde. Diese Sohlenpflästerung wurde beim Ereignis vom 23. Juli 2015 teilweise zerstört und unterkolkt. Zur Kapazitätserhöhung wird nun die zerstörte Sperre abgebrochen und mit einer 10 m langen klassischen Blocksteinrampe in Beton mit einem Gefälle von 30.5 % ersetzt.

 

Gerinne-Begradigung 0.553 - 0.397 km

Das Gerinne wird zwischen 0.553 km und 0.379 km auf einer Länge von rund 196 m angepasst, indem die Sohle abgesenkt und der Bachlauf begradigt wird. Dadurch wird die Transportkapazität des Gerinnes erhöht. Die Prallufer werden mit einer Wuhrverbauung, die Gleitufer mit einer Rähnenbauweise gegen Ufererosion gesichert. Zusätzlich wird die Gerinnesohle mit vier Sohlenschwellen aus Blocksteinen stabilisiert.

 

Lenk-Massnahmen bei der Punt Clozza Porta

Wegen der ungenügenden Kapazitäten der beiden Brücken Punt quartier Quadras und der Punt Clozza Porta sieht das Konzept vor, grosse Abflüsse seltener und sehr seltener Ereignisse linksseitig in einem Korridor über die Brücken und Strassen ins Landwirtschaftsland abzuleiten. Um ein Ausbrechen von seltenen und sehr seltenen Abflüssen im gesamten rechten Uferbereich verhindern zu können, muss zwischen 0.429 bis 0.389 km ein Erddamm und ab 0.389 km eine Ufermauer erstellt werden.

 

Den Massnahmen und dem Kredit wurde an der Gemeindeversammlung vom 10. Juni 2018 zugestimmt.

 

Die Arbeiten konnten anfangs August 2018 in Angriff genommen werden. Und gemäss aktuellem Plan werden diese bis Ende der Bausaison 2019 andauern.

Kosten und Finanzierung

Gemäss Voranschlag sehen die detaillierten Kosten folgendermassen aus:
Baumeisterarbeiten Fr. 2'220'000.--
Belags-, Schlosser,- Holzer,- Gärtnerarbeiten Fr. 215'000.--
Projektierung, Bauleitung, Vemessung Fr. 505'000.--
Landerwerb, Mutationen Fr. 350'000.--
Unvorhergesehenes Fr. 329'000.--
MwSt. 7.7 % Fr. 278'663.--
Rundung Fr. 2'337.--
Gesamtkosten Hochwasserschutz Clozza Fr. 3'900'000.--
Die Finanzierung ist wie folgt vorgesehen:
Gesamtkosten Hochwasserschutz Clozza Fr. 3'900'000.--
./. Subvention Bund 35 % Fr. 1'365'000.--
./. Subvention Kanton 20 % Fr. 780'000.--
Restkosten Hochwasserschutz Clozza Fr. 1'755'000.--

Das Projekt setzt sich zum Ziel, die Hochwassergefahr auf ein akzeptables Mass zu reduzieren. Grundsätzlich sollen bis zu einem 100-jährlichen Ereignis keine Gebäude oder empfindlichen Infrastrukturanlagen mehr betroffen sein. Für die Landwirtschaftsgebiete ist ein Schutz vor einem 20-jährlichen Hochwasser in der Regel ausreichend. So kann mit den wasserbaulichen Schutzmassnahmen das Siedlungsgebiet von Scuol sowie die Gemeindestrassen sogar bis gegen ein 300-jährliches Murgangsereignis geschützt und das Risiko infolge Murgang- und Wassergefahren stark reduziert werden.

 

Die gewählte Massnahmenkonzeption stellt insgesamt ein robustes System dar. Mit den vorgesehenen Massnahmen kann an der Clozza ein schutzzieladäquater Hochwasserschutz sichergestellt und das gesamte Siedlungsgebiet vor Murgangsgefahren geschützt werden. Verbauungen und Schutzmassnahmen gehören vor allem im Berggebiet zweifelsohne zu den dringlicheren Aufgaben einer Gemeinde und belasten deren finanzielle Situation enorm.

 

Es handelt sich um ein Projekt, das das Dorf Scuol vor künftigen Unwetterfolgen schützen soll. Nach dem letzten Unwetterereignis im Juli 2015 besteht unbestrittener Handlungsbedarf. Daneben ist die Gemeinde Scuol mit ihren zunehmenden Zentrumsfunktionen finanziell schon anderweitig gefordert. Deshalb möchten wir Ihnen eine Hilfeleistung an diese notwendigen Hochwasserschutzmassnahmen besonders ans Herz legen.

 

Bis heute konnten wir an dieses Projekt Spenden in der Höhe von Fr. 561'769.-- vermitteln.