Besuch in Pfäfers

 

«Hiersein ist herrlich»

 

Rund 100 Gönnerinnen und Gönner reisten am Freitag, 14. September 2018, nach Pfäfers im St. Galler Oberland. Dort begegneten sie den Vertretern der Gemeinde, des Kantons und verschiedener Korporationen. Gemeinsam besichtigte man das wunderschöne Tal mit seiner eindrücklichen Taminaschlucht und erfuhr viel Wissenswertes über die Projekte, die mit Unterstützung der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden zusammen mit ihren Gönnerinnen und Gönnern realisiert werden konnten.

 

 

Am Bahnhof Bad Ragaz empfing eine grosse Delegation aus Pfäfers die Gönnerinnen und Gönner. Die Weiterfahrt führte vorbei am Dorfbad und am eleganten Kurhotel. Heute baden hier Gäste aus aller Welt in den Thermalbädern. Das warme Wasser entspringt aber im Taminatal, und es hat die Geschichte der Gemeinde Pfäfers stark geprägt. Zuerst zeigten die Gastgeber den Besuchern eine Reihe von Projekten, die sie mit viel Engagement zum Wohl der Bevölkerung ausgeführt haben.

 

Der erste Halt galt indes einem neuen Meisterwerk der Ingenieurskunst (nicht von der Patenschaft unterstützt). Die Taminabrücke, 2017 in Betrieb genommen, verbindet die beiden Talseiten der Gemeinde. Ferdinand Riederer, alt Kantonsratspräsident und Amtsvorgänger, erläuterte die Konstruktion der grössten Bogenbrücke der Schweiz. Die Zahlen sind eindrücklich: Der Bogen hat eine Spannweite von 230 Metern. Die Gesamtlänge ist 475 Meter, und die Fahrbahn befindet sich 200 Meter über dem Wasser der Tamina.

 

Gemeindepräsident Axel Zimmermann zeigte seine Erleichterung darüber, dass die Verbindungswege für die 1600 Einwohner der sieben Dörfer und insbesondere auch für deren Schüler wesentlich verkürzt werden konnten. Er wies auch darauf hin, dass die Bevölkerungszahl einen leicht positiven Trend aufweist und einige Familien zugezogen sind.

 

Weiter ging es vorbei an den Kliniken Valens, mit 400 Beschäftigten der grösste Arbeitgeber der Gemeinde. Eindrücklich erklärte Jörg Nigg, der ehrenamtlich als Präsident der Wasserkorporation Pfäfers waltet, wie aufwendig sich die Wasserversorgung gestaltet. Zum Beispiel wird das Trinkwasser für die 950 Bewohner der Ortsgemeinde Pfäfers auf der gegenüberliegenden Talseite bei der Alp Findels auf 1600 m ü. M. gefasst und in fünf Reservoirs geleitet. Vier Pumpwerke werden dafür benötigt. Die 42 Kilometer lange Hauptleitung führt über die Staumauer Mapragg und von dort hinauf zu den Wasserbezügern. In den Jahren 2010 bis 2018 wurde die Wasserversorgung teilweise saniert und durch die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden grosszügig mitfinanziert. Der Stausee Mapragg bildet zusammen mit dem Gigerwaldsee weiter oben im Calfeisental ein leistungsfähiges Pumpspeicherwerk. Karl Kohler, stellvertretender Betriebsleiter der Kraftwerke Sarganserland, lieferte einige imposante Zahlen. Der See mit einem Gesamtstauraum von rund 35 Mio. Kubikmeter wird acht Mal pro Jahr gefüllt, fünf Mal davon durch die natürlichen Zuflüsse, drei Mal mittels der Pumpen.

 

Der Verpflegungshalt fand im Buura-Beizli im Hochtal St. Margrethenberg statt. Die Familie Blöchlinger tischte feinen Käse, Fleischspezialitäten und Brot aus ihrer Eigenproduktion auf. Unser Präsident, alt Bundesrat Dr. Hans-Rudolf Merz, begrüsste sodann die ganze Gesellschaft. Er bedankte sich bei den Gönnerinnen und Gönnern, und ebenso für die gute Begleitung durch die Vertreter von Kanton und Gemeinde sowie die Vorstands- und Ehrenmitglieder und die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle. «Geniesst diesen Tag – er gehört Euch!» Als Höhepunkt verkündete Axel Zimmermann den Alpsegen und gab so allen Anwesenden die besten Wünsche mit auf den Weg.

 

Nun ging es zurück nach Bad Ragaz zum Fahrzeugwechsel. Die Strasse in die enge Taminaschlucht wäre zu schmal für die komfortablen Reisebusse. Hinten im Alten Bad Pfäfers begegnete man der Entstehungsgeschichte des Tals. Das Wasser der Tamina hat die Schlucht aus dem Fels geschliffen, nachdem die Alpenbildung die Region grob geformt hatte. Heute gehört das Gebiet der Tektonikarena Sardona und zum UNESCO Welterbe. Um 1240 n. Chr. wurde die Thermalquelle entdeckt. Ihre Heilkraft sprach sich rasch herum. Die Kranken wurden vorerst an Seilen in die Schlucht hinabgelassen. Erst 1840 wurde die Strasse gebaut, und das Kurhotel entstand. Gäste von weitherum genossen das warme Wasser und die luxuriöse Bewirtung. «Hiersein ist herrlich», schrieb der Dichter Rainer Maria Rilke ins Gästebuch. Im Jahr 1969 schloss das Hotel aber seine Türen und der Abbruch stand zur Diskussion. Dass sich die Rettung durch die Stiftung Altes Bad Pfäfers gelohnt hat, davon konnten sich die Gäste beim Mittagessen im Speisesaal des Haupthauses überzeugen. Hier überbrachte auch Regierungsrat Marc Mächler den Dank und die Grüsse der St. Galler Regierung. Auch er betonte die Wichtigkeit der Solidarität, die in seinem Kanton eine wichtige Rolle spielt, damit die verschiedenen Regionen mit ihren Unterschieden zusammengehalten werden können. Die anschliessende Führung durch die alten Badekammern und in die enge und dunkle Schlucht bis zur Stelle, wo das 37.5° Celsius warme Wasser entspringt, zeigte die Kraft der Natur auf eindrückliche Weise. Mit 50'000 Besuchern pro Jahr ist die einzige erhaltene barocke Badeanlage der Schweiz eine wichtige Attraktion für die Region. Einen letzten Höhepunkt lieferte der Schülerchor der Schule Pfäfers: Die Kinder beglückten die Gäste mit einer begeisternden Darbietung traditioneller und moderner Schweizer Volkslieder.